Das Kettcar – der Pubertätsverzögerer

Meine Kinder haben viele Freiheiten. Sie können auf Bäume klettern, am Wasser Staudämme bauen und in Ruinen einstiegen. Eine Kindheit wie ich sie selber hatte und jetzt meinen Kindern ermöglichen kann. Zum einen wohnen wir sehr ländlich, außer einer Umgehungsstraße gibt es keine Gefahren. Zum anderen traue ich ihnen viel zu. Sie können schwimmen und sich orientieren. Sie können Menschen einschätzen und da sie meist zu dritt losziehen, kann immer einer Hilfe holen. Es sind bestimmt schon Sachen passiert, von denen ich besser nicht weiß. Natürlich kommen sie manchmal mit aufgeschürften Beinen, Tränen oder ganz verzankt wieder. Das Erlebte aber wird noch tagelang besprochen und bleibt ganz sicher in Erinnerung.

Kinder auf der Wiese

 

Seit einiger Zeit funktioniert dieses Konzept aber nicht mehr so richtig. Irgendwie scheinen alle Tiere gerettet, alle Schiffchen gebaut und alle Höhlen erkundet. Das Straßenbemalen ist langweilig und das Baumhaus von Spinnen bewohnt. Die 11jährigen Jungs zieht es vor die elektronischen Geräte und der ausgeklügelter Mediennutzungplan führt zu endlosen Diskussionen. Ich hatte mit der schönen Kindheit auf dem Land schon abgeschlossen.

Die Rettung – das Kettcar

Die Rettung kam in Form eines Kettcars. Eine Freundin überließ uns das fast neue Teil ihres Sohnes. Seitdem sind meine Jungs wieder gefühlte 5 Jahre. Sie lieben das Gefährt heiß und innig und über die Nutzung gibt es genauso viel Streit wie über den Gebrauch des Computers. Aber sie sind draußen. Sie schaffen es, sich zu dritt auf das Gerät zu klemmen und trotzdem zu treten. Alle Wege werden mit dem Kettcar absolviert, alte Strecken werden abgefahren. Früh vor der Schule um 7 Uhr muss noch schnell zur Freude der Nachbarn eine Runde gedreht werden. Beim Nachhausekommen wird alles von sich geworfen und der rote Flitzer begrüßt. Wenn wir im Garten essen, wird der Tisch in mehreren Fahrten mit dem Gefährt abgeräumt. Die Tiere fahren genauso wie der Müllbeutel mit. Die Kinder haben natürlich Fahrräder, das sind aber eher Gebrauchsgegenstände um längere Wege zu absolvieren. Was die mobile Beschäftigung angeht, ist das Kettcar ist ein  guter Übergang zwischen Roller und Skateboard.  Obwohl mich Kinderstreit nervt, freue ich mich doch täglich über: „Nein, ich.“ „Nein, ich bin dran!“

Unser Kettcar ist sehr solide gebaut. Es hält drei größere wilde Kinder aus.Sogar der Opa (76) saß schon drauf. Bisher ist nur die Hupe abgefallen. Der Sitz lässt sich verstellen und die Bremsen lassen so eine richtig schöne 180 Grad Vollbremsung zu. Seit vier Monaten wird es ununterbrochen genutzt und lässt die wilden Jungs noch länger Kind sein. Darüber freue ich mich.

Das Wundergefährt.

Neja

2 Kommentare

  1. So eine ähnliche Geschichte habe ich auch zu berichten. Wir haben unserem Sohn letztes Jahr ein Kettcar geschenkt. Da seine Kumpels auch ein Kettcar haben, musste er auch unbedingt eins haben und er hat auch in Zeiten der Internetgeneration wirklich viel Freude damit.

  2. Du glaubst gar nicht, wie glücklich man ein Kind damit machen kann. Ich selbst (Jahrgang 85) hatte eins und habe nun meinem Sohn (7 Jahre) eins zum Geburtstag geschenkt. Der Kleine freut sich sehr. Die Teile machen Spaß, und besser als Generation Smartphone.

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